17.9.04

A pretty fuckin' good milkshake - Mein erster Tag

Tja, da ist schon viel passiert bis zum Entstehen dieses Fotos. Das ist hier nicht mein Zuhause.
Das ist nicht das Krankenhaus, in dem ich geboren bin. Das ist auch nicht Milch von Mama. Und das ist auch nicht -- doch -- das ist doch mein Papa.

Aber wie bin ich hierher gekommen? Und warum hänge ich nicht an Mamas Brust, und wer hat überhaupt das Foto geschossen? Warum habe ich einen Spüllappen als Lätzchen, ein Armband um und ungewaschene Haare? Und das Schlimmste: Warum habe ich jetzt schon Kabelfernsehn?

Fragen über Fragen ...

Tja Sara, das verhielt sich so:

Am Tag zuvor um 14 Uhr klingelte in einem Hagener Büro ein Telefon, aus dem eine Mutter ihrem Sohn mitteilte, dass der Inhalt der Fruchtblase ihrer Schwiegertochter gerade eine Hiltruper mit Laminat ausgelegte Wohnung überschwemmt habe.

Diese Laminatbretter wurden erst vor 1 1/2 Jahren von dem Mann an der anderen Leitung zusammen mit seinem Geschäftsführer aus dem Nachbarbüro in einem Golf durch die Münsteraner Innenstadt transportiert, aber das ist eine andere Geschichte und gehört hier nicht her ... In einen Nissan Almera hingegen sprang der Angerufene flugs und fuhr mit gemächlicher Geschwindigkeit -- "Der Arzt sagt, es kann wohl noch 2-3 Stunden dauern" -- gen Münster. Nachdem er in der Hiltruper Innenstadt auf 120km/h abgebremst, die Treppen des Herz-Jesu-Krankenhauses erklommen und die Kreißsaaltür eingetreten hatte, begrüßte ihn um 15.05 Uhr die Assistenzärztin mit den Worten "Herzlichen Glückwunsch!".

WIE?? HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH??? Ich bin hier, um meiner Frau bei den Wehen beizustehen und nicht um mit Ihnen meinen gerade frisch bei einer anderen Firma unterschriebenen Arbeitsvertrag zu feiern, der demnächst unsere Kleinfamilie ernähren wird.

Und warum haben Sie meiner Frau zum Üben ein MÄDCHEN in den Arm gelegt? Und warum wischt sich der Oberarzt Blut von den Händen?

Als auch noch die Mutter des Verwirrten, der sich als der Vater der in seiner Abwesenheit vor 3 Minuten geschlüpften Sara herausstellte, am Bett ihrer Schwiegertochter saß und grinste wie ein Honigkuchenpferd, war die Sache klar.

Mutter und Frau waren shoppen gewesen und hatten (aus Angst, was bei den Eigenschaften des Vaters dabei rauskommen könnte) schnell eine Tochter ausgesucht, die a) blendend aussieht, b) eine kleine Stupsnase hat und c) ruhig und ausgeglichen ist. Die braunen Augen haben sie ihr gelassen, aber die hat die Mutter auch. Wer weiss, wer sich nun mit dem Kind herumschlagen muss, was dem Vater ähnlich sieht ...

Scherz beiseite, danach war es nicht mehr spassig, denn Sara hatte in ihrer Eile, zu ihren Eltern zu kommen, ein paar Atemprobleme bekommen, die sich relativ schnell als Pneumonie (Lungenentzündung) herausstellten. Eine Verlegung war angesagt, weg von Mama, allein, nachts mit Papa (und Oma) zwischen ganz vielen Geräten, die piepsten und blinkten.
Aber auch mit einem Urvertrauen ausgestattet, das seinesgleichen sucht.

Das wird schon alles richtig sein hier, denn ich lieg hier ganz warm, alle kümmern sich um mich, und wenn ich die Augen aufmache, ist Papa da.

Am Morgen wurden Sara und ihr Vater für alle Strapazen entschädigt. Das erste gemeinsame Frühstück fotografiert von Schwester -- "so ruhige und umgängliche Eltern habe ich selten, da weiss man, woher Sara das hat" -- Ellen.

"Goddamn! That's a pretty fuckin' good milkshake. I don't know if it's worth five dollars, but it's pretty fuckin' good."