28.9.04

Uncomfortable silences - Endlich zuhause

Puh, waren das komische erste zwei Wochen. Gut, dass Mama am zweiten Tag auch sofort da war und zwei große Tüten zu Essen mitbrachte. Länger hätte ich das auch nicht mehr ausgehalten hier trotz Kabelfernsehn. Ne, mal ganz ehrlich, ich hab das Mama und Papa ja nicht so gezeigt, aber genervt hat mich diese Zeit im Krankenhaus schon tierisch. Zuerst auf der Intensivstation lag ich in nem 8-Bett-Zimmer, wo auch noch alles mit Geräten vollstand. Das Gerät mit dem "Piiinng!!" war auch da. Im Vergleich zu meinen Zimmergenossen schien's mir da gar nicht sooo schlecht zu gehen, obwohl ich ganz schön zu kämpfen hatte.

Und dann fragt die Ärztin meinen Papa, ob er denn hingucken könnte, wenn man mir Blut abnähme. UND WER FRAGT MICH?? Die hauen mir eine meterlange Nadel in den Kopf - jawohl: IN DEN KOPF!! - saugen mir das wenige Blut, das ich habe (wahrscheinlich inklusive Hirnflüssigkeit) da raus, und man fragt den Herrn Doktor Richter, ob er nicht besser wegsähe. Zum Glück hat er nicht weggesehen und ist auch nicht umgekippt. Wenn ich mitbekommen hätte, dass er weggeguckt hätte, dann hätte ich in 13 Jahren schon pubertäre Möglichkeiten gehabt, ihm das im Nachhinein heimzuzahlen. Glück gehabt.

Relativ schnell kam ich dann in ein Einzelzimmer, da war es an Langeweile nicht mehr zu überbieten. Schlafen - Essen - Schlafen - Essen. Nun gut, ich hatte genug damit zu tun, und dazu noch immer die völlig übernächtigten (aber anscheinend total glücklichen) Gesichter von Mama und Papa alle zweit drei Stunden, das kann einen schon beschäftigen. Spannend wurde es erst, als die beiden mich auch wickeln und baden durften (zum Baden werd ich später noch mehr erzählen), und kurz bevor ich nach Hause durfte, bekam ich dann doch noch einen kleinen Mitbewohner namens Maximilian Kaspar, der aussah wie der kleine Mr. Spock. Mann, war der süß. Er hat mir gleich seine Adresse auf einen Bierdeckel geschrieben und wir haben uns am Aasee verabredet. Aber das ist eine andere Geschichte ...

Viel wichtiger ist, dass ich dann auch irgendwann nach Hause durfte. Papa hatte extra eine Maxi Cosi Cabrio mit Sonnenverdeck gekauft, wo ich so gerade eben reinpasste: Und dann gings schon auf die Reise nach Hause in den Burgwall.

Ich wollte noch mal eben betonen, dass ich stolz bin, eine Hiltruperin zu sein!

Zuhause angekommen - so langsam ist Papa glaube ich noch nie gefahren - war ich ganz schön erschossen, und Papa auch. Obwohl wir aber so müde waren und mein Stubenwagen wirklich ein Träumchen war, hab ich die beiden erstmal gut ne Woche auf Trab gehalten.





Schlafen wird einfach überbewertet, erst recht wenn ich jetzt noch ein paar Tage 24 Stunden von meinem Papa verwöhnt werden kann, der erst am 1.10. seine neue Stelle antreten muss. Na denn mal gute Nacht!

17.9.04

A pretty fuckin' good milkshake - Mein erster Tag

Tja, da ist schon viel passiert bis zum Entstehen dieses Fotos. Das ist hier nicht mein Zuhause.
Das ist nicht das Krankenhaus, in dem ich geboren bin. Das ist auch nicht Milch von Mama. Und das ist auch nicht -- doch -- das ist doch mein Papa.

Aber wie bin ich hierher gekommen? Und warum hänge ich nicht an Mamas Brust, und wer hat überhaupt das Foto geschossen? Warum habe ich einen Spüllappen als Lätzchen, ein Armband um und ungewaschene Haare? Und das Schlimmste: Warum habe ich jetzt schon Kabelfernsehn?

Fragen über Fragen ...

Tja Sara, das verhielt sich so:

Am Tag zuvor um 14 Uhr klingelte in einem Hagener Büro ein Telefon, aus dem eine Mutter ihrem Sohn mitteilte, dass der Inhalt der Fruchtblase ihrer Schwiegertochter gerade eine Hiltruper mit Laminat ausgelegte Wohnung überschwemmt habe.

Diese Laminatbretter wurden erst vor 1 1/2 Jahren von dem Mann an der anderen Leitung zusammen mit seinem Geschäftsführer aus dem Nachbarbüro in einem Golf durch die Münsteraner Innenstadt transportiert, aber das ist eine andere Geschichte und gehört hier nicht her ... In einen Nissan Almera hingegen sprang der Angerufene flugs und fuhr mit gemächlicher Geschwindigkeit -- "Der Arzt sagt, es kann wohl noch 2-3 Stunden dauern" -- gen Münster. Nachdem er in der Hiltruper Innenstadt auf 120km/h abgebremst, die Treppen des Herz-Jesu-Krankenhauses erklommen und die Kreißsaaltür eingetreten hatte, begrüßte ihn um 15.05 Uhr die Assistenzärztin mit den Worten "Herzlichen Glückwunsch!".

WIE?? HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH??? Ich bin hier, um meiner Frau bei den Wehen beizustehen und nicht um mit Ihnen meinen gerade frisch bei einer anderen Firma unterschriebenen Arbeitsvertrag zu feiern, der demnächst unsere Kleinfamilie ernähren wird.

Und warum haben Sie meiner Frau zum Üben ein MÄDCHEN in den Arm gelegt? Und warum wischt sich der Oberarzt Blut von den Händen?

Als auch noch die Mutter des Verwirrten, der sich als der Vater der in seiner Abwesenheit vor 3 Minuten geschlüpften Sara herausstellte, am Bett ihrer Schwiegertochter saß und grinste wie ein Honigkuchenpferd, war die Sache klar.

Mutter und Frau waren shoppen gewesen und hatten (aus Angst, was bei den Eigenschaften des Vaters dabei rauskommen könnte) schnell eine Tochter ausgesucht, die a) blendend aussieht, b) eine kleine Stupsnase hat und c) ruhig und ausgeglichen ist. Die braunen Augen haben sie ihr gelassen, aber die hat die Mutter auch. Wer weiss, wer sich nun mit dem Kind herumschlagen muss, was dem Vater ähnlich sieht ...

Scherz beiseite, danach war es nicht mehr spassig, denn Sara hatte in ihrer Eile, zu ihren Eltern zu kommen, ein paar Atemprobleme bekommen, die sich relativ schnell als Pneumonie (Lungenentzündung) herausstellten. Eine Verlegung war angesagt, weg von Mama, allein, nachts mit Papa (und Oma) zwischen ganz vielen Geräten, die piepsten und blinkten.
Aber auch mit einem Urvertrauen ausgestattet, das seinesgleichen sucht.

Das wird schon alles richtig sein hier, denn ich lieg hier ganz warm, alle kümmern sich um mich, und wenn ich die Augen aufmache, ist Papa da.

Am Morgen wurden Sara und ihr Vater für alle Strapazen entschädigt. Das erste gemeinsame Frühstück fotografiert von Schwester -- "so ruhige und umgängliche Eltern habe ich selten, da weiss man, woher Sara das hat" -- Ellen.

"Goddamn! That's a pretty fuckin' good milkshake. I don't know if it's worth five dollars, but it's pretty fuckin' good."